Kleegasse 4: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Baugeschichte

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==Ehemaliges Betenmacherhaus==
==Ehemaliges Betenmacherhaus==


Zweigeschossiges Wohnhaus über rechteckigem Grundriß, vierachsig. Im Kern 17. Jh. Schon 1701 wird hier des "Lederzurichters Stampf bei der Steinen Brück", 1709 und 1721 Franz Decenti (Discendo; nach Stöckl: 1670, Franz Decenta), "fürstlicher Lederzurichter" genannt. Im Bürgerbuch der Stadt Graz ist ein Franz Domenico Decente, Handelsmann aus Retz verzeichnet, der erst 1761 den Bürgereid leistet. Der Begriff "Stampfe" kommt vom stampfen oder walken, wodurch die Gerber die Häute von der Oberhaut befreiten, so dass sie weich und schmiegsam gemacht wurden.  
Betenmacher hießen in früheren Jahrhunderten die Erzeuger von Rosenkränzen; darauf weist auch die nahe gelegene Gasse hin.  
Das hier gezeigte Haus wurde vor 1754 erbaut und 1766 vom Betenmacher B. Rankl erworben, in dessen Familie das Gebäude bis 1900 blieb. Umbauten erfolgten 1786 und 1880 (durch Stadtmaurermeister A. NEUBAUER).


1815 erfolgte ein Umbau des Gebäudes, das unter der Hausmadonna befindliche Rundbogenportal wurde vermauert und der Hauseingang an die Südseite verlegt. Der damalige Besitzer, der Lederer Josef Höck, stammte aus Iglau und hat 1793 in Graz den Bürgereid abgelegt; ein F. Höck, vielleicht sein Vater, besaß Leder-Werkstätten am Lendkai (bei der heutigen Stigergassse) und in der Wiener Straße 63. 1838 - 1872 ist in der Karlauer Straße die Lederfabrik Manker ansässig, 1891 - 1896 betrieb hier Johann Puch seine Styria-Dürrkopp-Fahrradwerke, die das gesamte Areal zwischen Köstenbaumgasse 17 und Karlauer Straße umfassten.
Das zweigeschossige Gebäude mit seinem doppelten Schopfwalmgiebel ist aus drei Häusern zusammengebaut (die Achsen sind 4:6:5) und um zwei kleine Innenhöfe gruppiert, mit einem Durchgang zur Bürgerspitalgasse. Die Fassaden sind schmucklos, zur Kleegasse und Bürgerspitalgasse sind in der Fassadenmitte jeweils ein Korbbogen-Steinportal mit Keilstein und quadratischen Kämpfern, gleichzeitigem gedoppeltem Torflügel mit mittleren Türknopf auf Kleeblattbeschlag. Keilstein jeweils bze. "BR" (= B. Rankl) und (Nr. "360", in der Bürgerspitalgasse Kämper bez. "17" "86".  


Das Korbbogen-Eingangsportal ist aus Marmor vom Steinberg bei Graz, der Keilstein mit den Initialen "JH" (J. Höck) mit Gerberfass, gekreuzten Walkstäben und Lorbeerzweigen, der Kämpfer mit der Inschrift "18" bzw. "15".  
Im Erdgeschoß Stichkappen- und Kreuzgratgewölbe, im Obergeschoß vereinzelt einfache Stuckplafonds mit eingetieftem Mittelfeld in geschwungener Umrißlinie. Im zweiten Hof offener Gang im Obergeschoß mit hölzernem Pfettengeländer, um 1780, und Gußgitter, um 1880.  


Straßenseitig ist in der Fassadenmitte eine kleine halbrunde Nische in zart profilierter Umrahmung mit Keilstein um 1800, Sandsteinfigur einer Maria Immaculata, MARX SCHOKOTNIGG zugeschrieben, um 1710 - 1715.
(Nach: ÖKT 1984)


Hinter dem Haus (Karlauer Straße Nr. 42a, 44) die ausgedehnten dreigeschossigen ehemaligen Fabriksgebäude erhalten bzw. durch neue ergänzt.  
''Kommentar: Dieses Bauwerk ist seit der Darstellung in der Kunsttopographie 1984 stark verändert worden, so ist die Südfront völlig neu fassadiert worden. Die beiden Haustore sind nicht mehr im Originalzustand - es stand auch nicht unter Denkmalschutz und liegt auch in keiner Altstadt-Schutzzone. Es wäre daher wichtig, die Erhaltung des restlichen Bestandes zu sichern und gelegentlich einer Restaurierung auf eine teilweise Rückführung der derzeitigen Gestaltung zu drängen.''


(Nach: Bürgerbuch; Popelka, 1936; Stöckl, Industrie 1953; ÖKT 1984)
[[Kategorie:Schutz-Kataster Gries]][[Kategorie: Kleegasse]][[Kategorie:Adresse]]
 
 
''Kommentar: Dieses baukünstlerisch bemerkenswerte und für die Industriegeschichte der Stadt Graz (Johann Puch) höchst bedeutsame Bauwerk steht - wie viele andere, siehe die traurigen Beispiele Josefigasse 73 und Am Damm 53 - nicht unter Denkmalschutz und liegt auch in keiner Altstadt-Schutzzone. Es wäre daher von besonderer Dringlichkeit, die Erhaltung des Ensembles durch eine Unterschutzstellung zu sichern und die derzeit durch Werbetexte verunstaltete Fassade frei zu machen.''
 
[[Kategorie:Schutz-Kataster Gries]][[Kategorie: Karlauer Straße]][[Kategorie:Adresse]]

Version vom 31. August 2011, 21:11 Uhr

47° 3' 55.86" N, 15° 25' 58.12" E

Ehemaliges Betenmacherhaus

Betenmacher hießen in früheren Jahrhunderten die Erzeuger von Rosenkränzen; darauf weist auch die nahe gelegene Gasse hin. Das hier gezeigte Haus wurde vor 1754 erbaut und 1766 vom Betenmacher B. Rankl erworben, in dessen Familie das Gebäude bis 1900 blieb. Umbauten erfolgten 1786 und 1880 (durch Stadtmaurermeister A. NEUBAUER).

Das zweigeschossige Gebäude mit seinem doppelten Schopfwalmgiebel ist aus drei Häusern zusammengebaut (die Achsen sind 4:6:5) und um zwei kleine Innenhöfe gruppiert, mit einem Durchgang zur Bürgerspitalgasse. Die Fassaden sind schmucklos, zur Kleegasse und Bürgerspitalgasse sind in der Fassadenmitte jeweils ein Korbbogen-Steinportal mit Keilstein und quadratischen Kämpfern, gleichzeitigem gedoppeltem Torflügel mit mittleren Türknopf auf Kleeblattbeschlag. Keilstein jeweils bze. "BR" (= B. Rankl) und (Nr. "360", in der Bürgerspitalgasse Kämper bez. "17" "86".

Im Erdgeschoß Stichkappen- und Kreuzgratgewölbe, im Obergeschoß vereinzelt einfache Stuckplafonds mit eingetieftem Mittelfeld in geschwungener Umrißlinie. Im zweiten Hof offener Gang im Obergeschoß mit hölzernem Pfettengeländer, um 1780, und Gußgitter, um 1880.

(Nach: ÖKT 1984)

Kommentar: Dieses Bauwerk ist seit der Darstellung in der Kunsttopographie 1984 stark verändert worden, so ist die Südfront völlig neu fassadiert worden. Die beiden Haustore sind nicht mehr im Originalzustand - es stand auch nicht unter Denkmalschutz und liegt auch in keiner Altstadt-Schutzzone. Es wäre daher wichtig, die Erhaltung des restlichen Bestandes zu sichern und gelegentlich einer Restaurierung auf eine teilweise Rückführung der derzeitigen Gestaltung zu drängen.

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