Kleegasse 4: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Koordinaten::  47° 3'55.86"N, 15°25'58.12"E]]
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|Textabschnittstitel=Ehemaliges Betenmacherhaus
|Textabschnitt=Betenmacher hießen in früheren Jahrhunderten die Erzeuger von Rosenkränzen; darauf weist auch der Name der Gasse an der Südfront des beschriebenen Komplexes hin. Das Haus wurde vor 1754 erbaut. 1766 kaufte es der Betenmacher B. Rankl der Therese Kastl ab, deren Gatte Andreas (lt. Bürgerbuch war "Cästl" 1741 aus Enns zugewandert) der Wirt des nach Norden anschließenden Brauhaus-Komplexes war (das denkmalgeschützte Haus Brückenkopfgasse 7, ehemals "Kastl-Wirt", später Gasthof "König von Neapel", in dem im Jahre 1800 Lord Nelson mit Lady Hamilton absteigen sollte). In der Familie Rankl blieb das Gebäude bis 1870. Umbauten erfolgten 1786 und 1880 (durch Stadtmaurermeister A. NEUBAUER).


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Das zweigeschossige Gebäude mit seinem doppelten Schopfwalmgiebel ist aus drei Häusern zwischen Kleegasse, Rosenkranzgasse und Bürgerspitalgasse zusammengebaut (die Achsen sind 4:6:5) und um zwei kleine Innenhöfe gruppiert, mit einem Durchgang zur Bürgerspitalgasse. Die Fassaden sind schmucklos, zur Kleegasse und Bürgerspitalgasse befinden sich in der Fassadenmitte jeweils ein Korbbogen-Steinportal mit Keilstein und quadratischen Kämpfern, gleichzeitige gedoppelte Torflügel mit mittlerem Türknopf auf Kleeblatt-Beschlag. Keilstein jeweils bze. "BR" (= B. Rankl) und (Nr.) "360", in der Bürgerspitalgasse Kämpfer bez. "17" "86". Im Erdgeschoß Stichkappen- und Kreuzgratgewölbe, im Obergeschoß vereinzelt einfache Stuckplafonds mit eingetieftem Mittelfeld in geschwungener Umrißlinie. Im zweiten Hof offener Gang im Obergeschoß mit hölzernem Pfettengeländer, um 1780, und Gußgitter, um 1880.
Datei: Kleegasse_4,_Betenmacherhaus.JPG| Fassade in der Kleegasse (Foto Laukhardt 2011)
Datei: Kleegasse_4,_Rosenkranzgasse.JPG| Fassade in der Rosenkranzgasse (Foto Laukhardt 2011)
Datei: Kleegasse_4.JPG| Portal in der Rosenkranzgasse (Foto Laukhardt 2011)
Datei: Kleegasse_4.JPG| Portal mit Gerberzunftzeichen und "JH"
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==Ehemaliges Betenmacherhaus==


Zweigeschossiges Wohnhaus über rechteckigem Grundriß, vierachsig. Im Kern 17. Jh. Schon 1701 wird hier des "Lederzurichters Stampf bei der Steinen Brück", 1709 und 1721 Franz Decenti (Discendo; nach Stöckl: 1670, Franz Decenta), "fürstlicher Lederzurichter" genannt. Im Bürgerbuch der Stadt Graz ist ein Franz Domenico Decente, Handelsmann aus Retz verzeichnet, der erst 1761 den Bürgereid leistet. Der Begriff "Stampfe" kommt vom stampfen oder walken, wodurch die Gerber die Häute von der Oberhaut befreiten, so dass sie weich und schmiegsam gemacht wurden.  
(Nach: ÖKT 1984)  
 
|Bildname1=Kleegasse_4,_Betenmacherhaus.JPG
1815 erfolgte ein Umbau des Gebäudes, das unter der Hausmadonna befindliche Rundbogenportal wurde vermauert und der Hauseingang an die Südseite verlegt. Der damalige Besitzer, der Lederer Josef Höck, stammte aus Iglau und hat 1793 in Graz den Bürgereid abgelegt; ein F. Höck, vielleicht sein Vater, besaß Leder-Werkstätten am Lendkai (bei der heutigen Stigergassse) und in der Wiener Straße 63. 1838 - 1872 ist in der Karlauer Straße die Lederfabrik Manker ansässig, 1891 - 1896 betrieb hier Johann Puch seine Styria-Dürrkopp-Fahrradwerke, die das gesamte Areal zwischen Köstenbaumgasse 17 und Karlauer Straße umfassten.
|Bildbeschreibung1=Fassade in der Kleegasse (Foto Laukhardt 2011)  
 
|Bildname2=Kleegasse_4,_Rosenkranzgasse.JPG
Das Korbbogen-Eingangsportal ist aus Marmor vom Steinberg bei Graz, der Keilstein mit den Initialen "JH" (J. Höck) mit Gerberfass, gekreuzten Walkstäben und Lorbeerzweigen, der Kämpfer mit der Inschrift "18" bzw. "15".
|Bildbeschreibung2=Fassade Bürgerspitalgasse (Foto Laukhardt 2011)  
 
|Bildname3=Kleegasse_4,_Portal_Rosenkranzgasse.JPG
Straßenseitig ist in der Fassadenmitte eine kleine halbrunde Nische in zart profilierter Umrahmung mit Keilstein um 1800, Sandsteinfigur einer Maria Immaculata, MARX SCHOKOTNIGG zugeschrieben, um 1710 - 1715.  
|Bildbeschreibung3=Portal Bürgerspitalgasse "360" und "BR" (Foto Laukhardt 2011)
 
}}[[Kategorie:Schutz-Kataster Gries]][[Kategorie:Kleegasse]]{{Discussion}}{{References}}
Hinter dem Haus (Karlauer Straße Nr. 42a, 44) die ausgedehnten dreigeschossigen ehemaligen Fabriksgebäude erhalten bzw. durch neue ergänzt.   
 
(Nach: Bürgerbuch; Popelka, 1936; Stöckl, Industrie 1953; ÖKT 1984)
 
 
''Kommentar: Dieses baukünstlerisch bemerkenswerte und für die Industriegeschichte der Stadt Graz (Johann Puch) höchst bedeutsame Bauwerk steht - wie viele andere, siehe die traurigen Beispiele Josefigasse 73 und Am Damm 53 - nicht unter Denkmalschutz und liegt auch in keiner Altstadt-Schutzzone. Es wäre daher von besonderer Dringlichkeit, die Erhaltung des Ensembles durch eine Unterschutzstellung zu sichern und die derzeit durch Werbetexte verunstaltete Fassade frei zu machen.''
 
[[Kategorie:Schutz-Kataster Gries]][[Kategorie: Karlauer Straße]][[Kategorie:Adresse]]

Aktuelle Version vom 12. März 2015, 22:09 Uhr

Österreich » Steiermark » Graz » 8020



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47° 3' 55.86" N, 15° 25' 58.12" E

Ehemaliges Betenmacherhaus

Betenmacher hießen in früheren Jahrhunderten die Erzeuger von Rosenkränzen; darauf weist auch der Name der Gasse an der Südfront des beschriebenen Komplexes hin. Das Haus wurde vor 1754 erbaut. 1766 kaufte es der Betenmacher B. Rankl der Therese Kastl ab, deren Gatte Andreas (lt. Bürgerbuch war "Cästl" 1741 aus Enns zugewandert) der Wirt des nach Norden anschließenden Brauhaus-Komplexes war (das denkmalgeschützte Haus Brückenkopfgasse 7, ehemals "Kastl-Wirt", später Gasthof "König von Neapel", in dem im Jahre 1800 Lord Nelson mit Lady Hamilton absteigen sollte). In der Familie Rankl blieb das Gebäude bis 1870. Umbauten erfolgten 1786 und 1880 (durch Stadtmaurermeister A. NEUBAUER).

Das zweigeschossige Gebäude mit seinem doppelten Schopfwalmgiebel ist aus drei Häusern zwischen Kleegasse, Rosenkranzgasse und Bürgerspitalgasse zusammengebaut (die Achsen sind 4:6:5) und um zwei kleine Innenhöfe gruppiert, mit einem Durchgang zur Bürgerspitalgasse. Die Fassaden sind schmucklos, zur Kleegasse und Bürgerspitalgasse befinden sich in der Fassadenmitte jeweils ein Korbbogen-Steinportal mit Keilstein und quadratischen Kämpfern, gleichzeitige gedoppelte Torflügel mit mittlerem Türknopf auf Kleeblatt-Beschlag. Keilstein jeweils bze. "BR" (= B. Rankl) und (Nr.) "360", in der Bürgerspitalgasse Kämpfer bez. "17" "86". Im Erdgeschoß Stichkappen- und Kreuzgratgewölbe, im Obergeschoß vereinzelt einfache Stuckplafonds mit eingetieftem Mittelfeld in geschwungener Umrißlinie. Im zweiten Hof offener Gang im Obergeschoß mit hölzernem Pfettengeländer, um 1780, und Gußgitter, um 1880.

(Nach: ÖKT 1984)

Kommentare

Dieses bemerkenswerte Bauwerk ist seit der Darstellung in der Kunsttopographie 1984 stark verändert worden: so ist der südliche Schopfwalm verschwunden, das südliche Dach angehoben und die Front zur Rosenkranzgasse völlig neu gestaltet und neue Fenster eingebaut worden. Der zweifärbige Anstrich zur Kleegasse ist völlig willkürlich. Das Haus stand auch nicht unter Denkmalschutz und liegt auch in keiner Altstadt-Schutzzone. Es wäre daher wichtig, die Erhaltung des restlichen, immer noch bemerkenswerten Bestandes (vor allem der beiden Portale) zu sichern und im Falle einer anstehenden Restaurierung auf eine teilweise Rückführung der Außen-Gestaltung zu drängen.

Einzelnachweise

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