Lazarettgürtel 77: Unterschied zwischen den Versionen
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David Stern war Vorstandsmitglied, zeitweise auch Präsident der Jüdischen Gemeinde in Graz. Seine Frau Charlotte engagierte sich unter anderem in der Flüchtlingshilfe im Ersten Weltkrieg. Die beiden lebten im Falkenhof, einem kleinen historischen Schlösschen in der Karlau, und betrieben einen "Rohproduktehandel". Das Geschäft wurde 1938 nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten liquidiert, das Ehepaar musste im Alter von 80 Jahren in eine "Sammelwohnung" nach Wien ziehen. Von dort flohen die beiden in ein slowenisches Dorf, wo Charlotte schließlich verstarb und David Stern bei einer Razzia der Nationalsozialisten erschossen wurde. Er hatte Widerstand geleistet. | David Stern war Vorstandsmitglied, zeitweise auch Präsident der Jüdischen Gemeinde in Graz. Seine Frau Charlotte engagierte sich unter anderem in der Flüchtlingshilfe im Ersten Weltkrieg. Die beiden lebten im Falkenhof, einem kleinen historischen Schlösschen in der Karlau, und betrieben einen "Rohproduktehandel". Das Geschäft wurde 1938 nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten liquidiert, das Ehepaar musste im Alter von 80 Jahren in eine "Sammelwohnung" nach Wien ziehen. Von dort flohen die beiden in ein slowenisches Dorf, wo Charlotte schließlich verstarb und David Stern bei einer Razzia der Nationalsozialisten erschossen wurde. Er hatte Widerstand geleistet. | ||
Die Enkel der beiden, Hans und Trude Lang (1912-2005 und 1915-2002), lebten ab 1934 zusammen mit den Großeltern im Falkenhof. Hans studierte in Graz Rechtswissenschaften und stieg ins Familienunternehmen ein, seine Schwester Trude studierte Geschichte und zählte 1938 zu einer der wenigen jüdischen Studierenden, die ihr Studium noch durch eine "stille Promotion" abschließen konnte. | Die Enkel der beiden, Hans und Trude Lang (1912-2005 und 1915-2002), lebten ab 1934 zusammen mit den Großeltern im Falkenhof. Hans studierte in Graz Rechtswissenschaften und stieg ins Familienunternehmen ein, seine Schwester Trude studierte Geschichte und zählte 1938 zu einer der wenigen jüdischen Studierenden, die ihr Studium noch durch eine "stille Promotion" abschließen konnte. | ||
Für die beiden, aber auch für ihre Enkel Hans und Trude sowie deren Eltern Else und Fritz Lang, und für Rupert Heider, einen Zeugen Jehovas, der als Wehrdienstverweigerer hingerichtet wurde, wurden heute in Graz Stolpersteine verlegt. | |||
(Aus: Neue Stolpersteine, Kleine Zeitung, 7.9.2022) | (Aus: Neue Stolpersteine, Kleine Zeitung, 7.9.2022) | ||
|Bildname1=Karlauplatz, Weintaz 1750.JPG | |Bildname1=Karlauplatz, Weintaz 1750.JPG | ||
Version vom 7. September 2022, 20:26 Uhr
Österreich » Steiermark » Graz » 8020
47° 3' 30.10" N, 15° 25' 36.41" E
Sogenannter "Falkenhof"
Der Um- oder Neubau des sog. Falkenhofes erfolgte vermutlich um 1770 durch den Baukünstler Joseph HUEBER für den damaligen Besitzer der Fabrik Anton Ignaz Heß, und es erhält das heutige Aussehen P. Laukhardt: Nebelau, Denggenhofzeitung 2016
David Stern war Vorstandsmitglied, zeitweise auch Präsident der Jüdischen Gemeinde in Graz. Seine Frau Charlotte engagierte sich unter anderem in der Flüchtlingshilfe im Ersten Weltkrieg. Die beiden lebten im Falkenhof, einem kleinen historischen Schlösschen in der Karlau, und betrieben einen "Rohproduktehandel". Das Geschäft wurde 1938 nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten liquidiert, das Ehepaar musste im Alter von 80 Jahren in eine "Sammelwohnung" nach Wien ziehen. Von dort flohen die beiden in ein slowenisches Dorf, wo Charlotte schließlich verstarb und David Stern bei einer Razzia der Nationalsozialisten erschossen wurde. Er hatte Widerstand geleistet. Die Enkel der beiden, Hans und Trude Lang (1912-2005 und 1915-2002), lebten ab 1934 zusammen mit den Großeltern im Falkenhof. Hans studierte in Graz Rechtswissenschaften und stieg ins Familienunternehmen ein, seine Schwester Trude studierte Geschichte und zählte 1938 zu einer der wenigen jüdischen Studierenden, die ihr Studium noch durch eine "stille Promotion" abschließen konnte. Für die beiden, aber auch für ihre Enkel Hans und Trude sowie deren Eltern Else und Fritz Lang, und für Rupert Heider, einen Zeugen Jehovas, der als Wehrdienstverweigerer hingerichtet wurde, wurden heute in Graz Stolpersteine verlegt.
(Aus: Neue Stolpersteine, Kleine Zeitung, 7.9.2022)