Andritzer Reichsstraße 160

Aus Baugeschichte

47° 4' 45.44" N, 15° 25' 28.57" E

Schloss St. Gotthard und Pfefferbüchsel

Besitzgeschichte: Schon 1290 besitzt das obersteirische Stift St. Lampbrecht einen Weinzehent bei Andritz. 319 wird ein Hof Weinzierl genannt: Ulrich von Wallsee, Landeshauptmann von Steiermark, vergleicht den Abt von St. Lambrecht in dessen Streit mit dem Hofmeister Niklas von Weinzierl um den Hof Weinzierl. 1372 leiht das Stift dem Erhart Chrael (Krel oder Krell) von Spiegelfeld und seiner Hausfrau Anna 60 lb. auf ihren zu Weinzierl gelegenen Hof. 1386 überträgt ein Konsortium von Juden den Hof Erharts des Chrael zu Weinzurl und den Plickch-Weingarten zu St. Veit, die beide ihnen versetzt waren, dem Abte David von St. Lambrecht für 200 Pfund Pfennige als Pfandlösung. Das Stift verwendete das Gut nun als Meierhof. 1373 wird zum ersten Mal der Name St. Gotthard genannt: Der Pfarrer Peter zu St. Veit bei Weinzierl verpflichtet sich und seine Nachfolger gegen Übergabe eines unterhalb der St. Veitskirche gelegenen Weinzehents durch den Abt Peter von St. Lambrecht zur Feier einer Messe in jeder Woche und zwar in der St. Gotthards – Kapelle zu Weinzierl. 1386 überträgt ein Konsortium von Juden den Hof Erharts des Chrael zu Weinzurl und den Plickch-Weingarten zu St. Veit, die beide ihnen versetzt waren, dem Abte David von St. Lambrecht für 200 Pfund Pfennige als Pfandlösung. Dieser Erhart Krel von Spiegelfeld, nach Baravalles ein Dienstmann der Stubenberger, deutet darauf hin, dass vorher die Stubenberg den Hof besessen hatten.

Im Jahre 1532 wurde der Hof von den Türken zerstört, als diese westlich der Landeshauptstadt vorbeizogen. Noch 1542 lag der Hof Weinzierl ob Graz, "so durch den Türken verprennt worden" öde, verlassen da. Erst zu Ende des 16.Jahrhunderts vermochte das Stift den Hof wieder aufzubauen. In den Jahren 1654-59 wurde er und die Kirche vom aus dem Trentino gebürtigen St.Lambrechter Stiftsbaumeister Domenico Sciassia (+1679) neu errichtet, für den sich seit dem Jahre 1673 der Name "St. Gotthard" einbürgerte. Er diente dem Abt in der Weinlesezeit zur Wohnung und war im Laufe der Zeit zu einem kleinen Schlößchen ausgebaut worden.

Begrüßt vom Donner der Festungskanonen, kam am 15. Oktober 1673 auch Kaiser Leopold I. kurz vor seiner Hochzeit mit der tiroler Erzherzogin Claudia Felicitas im Schloß Eggenberg kurz nach St.Gotthard. Hier wurde er von den steirischen Landständen und vom hohen Adel feierlich empfangen. Nach dem Mittagsmahl im Schloß fuhr die ganze Gesellschaft in 48 sechsspännigen Prunkwagen nach Graz.

Nach Aufhebung des Stiftes (1786) kam das Schloß an den Religionsfonds und wurde Staatsherr-schaft. 5 Jahre später, 1791 wurde es in einer Beschreibung als "Schloß kleinerer Gattung" bezeich-net. Anschließend war "ein gemauerter Trakt", durch den man vom Schloß in die Kirche gehen konnte. Schloß und Meierhaus waren durch einen großen Hof getrennt und beide Gebäude von einer Mauer umgeben. Zum Schloß gehörte ein "Zieglstadl", eine "Weinzierley" und der Bogenhof. Im 18. Jahr¬hundert sah es ähnlich aus wie heute. Zwei einstöckige Teile stoßen im rechten Winkel aufeinander. In einem zu Ende des 18.Jahrhunderts ausgestellten Fragebogen war in die Rubrik "Lust- oder unnöthige Wirtschaftsgebäude, die zum Abtragen beantragt werden, "Die Kirche mit dem Gang¬gebäude" eingetragen. Sie war mit Steinen und Ziegeln gedeckt, eingewölbt (vermutlich barock), von einer Kuppel überkrönt und hatte einen kleinen, gemauerten Kirchturm. Das Kirchenschiff war mit Steinen gepflastert. Beeindruckend die Länge: 60m, die Höhe: 12m. Zwölf alte Glasfenster, zwei Glocken (zusammen 130kg schwer), acht hölzernen Statuen und zehn Kirchenstühle bildeten das Inventar. Zu Anfang des 19.Jahrhunderts wurde die Kirche abgetragen. Im Jahre 1804 kaufte den Besitz Franz Moss von Sonnegg. Dann wechselten die Besitzer schnell. 1870 war das Schlößchen im Besitz des Freiherrn Ecker-Eckhofen.

Auf einer steilen Felsklippe über dem Schloß seht ein ehemaliges Winzer-Wachhaus, das sogenannte „Pfefferbüchsel“, erbaut um 1830. Bau über kreisförmigem Grundriß, Kegeldach. Eine Holzbrücke führt zum Eingang des runden Türmchens.

(Nach: Baravalle, Schlösser; DEHIO Graz; Urkundenbuch St. Lambrecht)

Kommentar: Das Schloss St. Gotthard steht aus unverständlichen Gründen nicht unter Denkmalschutz, liegt aber in der Altstadt-Schutzzone "St. Gotthard". 2011 hat der Bezirksrat von Andritz einen Vorschlag auf Unterschutzstellung beim Landeskonservatorat für Steiermark eingereicht. Es ist zu hoffen, dass sich die Denkmalschützer von den Argumenten überzeigen lassen.

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