Grillparzerstraße 10

Aus Baugeschichte

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47° 4' 51.92" N, 15° 26' 37.21" E

Margaretenbad

Das Areal des heutigen Freibades war einst "Zschocks englicher Garten". Um 1900 erwarb ihn der Bauunternehmer Ing. Alexander Zerkowitz und entwarf einen Wohnblock. Zwischen 1910 und 1912 wurden die vier Häuser Grillparzerstraße 4, 6 und 8 erbaut, besonders hervorzuheben ist dabei Grillparzerstraße 4, das als Doppelhaus auch Humboldtstraße 33 umfasst. Zerkowitz baute auch die Häuser Keesgasse

Nach dem Weltkrieg entwickelte sich in ganz Europa ein neues Körperbewußtsein mit dem Wunsch, die Volksgesundheit zu fördern. So erbaute Ing. Zerkowitz ein Freibad - dort, wo der Regulierungsplan die Verlängerung der Wastlergasse vorgesehen hatte (weshalb die Bewilligung nur auf 15 Jahre erteilt wurde). Den noch bis in die 1960er Jahre wirksamen sezessionistischen Entwurf der Anlage mit seiner hölzernen Pergola schuf der aus Ungarn stammende und 1935 nach Israel emigrierte Architekt Ing. Eugen Székely (von ihm stammte auch das 1931/32 erbaute und 1944 zerbombte Arbeitsamt an der Ecke Ghegagasse-Bahnhofgürtel und 1933/34 die Stadtrandsiedlung für Arbeitslose und Kurzarbeiter in der Amselgasse).

Ing. Zerkowitz erlebte die Eröffnung der Anlage am 30. Juni 1928 nicht mehr, er starb schon am 1. Jänner 1927, weshalb seine Gattin Jenny oft als Bauherrin und Sohn Bruno Zerkowitz als ausführender Bauunternehmer genannt wird. Margaretenbad nannte man es zur Erinnerung an das französische Kindermädchen des Sohnes Bruno. Es war das erste moderne Freibad von Graz und entwickelte sich schnell zu einer äußerst beliebten Erholungsanlage mitten in der Stadt. Auch der Bau selbst war durchaus als harmonisches Ensemble der Baukunst der Zwischenkriegszeit zu betrachten. Der ungetrübte Badehimmel beginnt sich aber bald zu verfinstern. Schon 1937 kommt es zu einem antisemitisch motivierten Anschlag, bei dem das Kassengebäude beschädigt wird. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an Hitlerdeutschland im März 1938 wird das Bad "arisiert". Als jüdische Familie haben nun die ihres Bades beraubten ehemaligen Besitzer dort nicht einmal mehr Zutritt.

Bruno Zerkowitzs nichtjüdische Gattin Anny kämpfte lange um einen halbwegs angemessenen Kaufpreis, und nimmt ihre aus der Wohnung vertriebene Schwiegermutter Jenny bei sich und ihrem Sohn Claus (geboren 1936) in der Wastlergasse 8 auf. Ihren Mann Bruno Zerkowitz ereilte jedoch mit zweien seiner Schwestern das Schicksal von Millionen seiner Glaubensgenossen: er kam zunächst ins KZ Dachau, wurde dann des Landes verwiesen und flüchtete nach Jugoslawien, wo ihn Ehefrau und Sohn noch besuchen konnten. Als dort aber 1941 die deutschen Truppen einmarschierten, verschleppte man ihn ins Lager Jasenovac, wo er 1942 "liquidiert" wurde. Als schon 1940 letzte Jüdin von Graz wurde im Oktober 1941 auch Jenny, die Witwe von Alexander Zerkowitz, in eine Sammelstelle nach Wien gebracht; Ende 1942 geht der Leidensweg der 82jährigen im Lager Theresienstadt zu Ende.

Der Ariseur Otto Bröder nutzte das Bad ausschließlich als Einkommensquelle und investzierte nichts; es war daher schon in schlechtem Zustand, als es im Mai 1945 von der Roten Armee besetzt wurde. Die Russen fuhren von der Körlbergasse aus mit Panzern ins Bad und tränkten ihre Pferde im Bassin. Danach drückten sie Anny Zerkowitz die Schlüssel in die Hand und drängten auf die Öffnung des Bades. Diese ließt sich vom ruinösen Zustand des Bases aber nicht abschrecken und übernahm den Betrieb des jetzt in öffentlicher Verwaltung befindlichen Bades. Sie veranlasst die notdürftige Behebung der Schäden und im Sommer 1946 öffnet das Margaretenbad erneut seine Tore.

Der reingewaschene Ariseur Bröder wollte noch 1952 "sein" Bad zurück (!), und ein Hallenbad und Kurhotel errichten, aber letztlich erhielt Anny Zerkowitz 1953 das Areal wieder in ihr Eigentum zurück. Der Betrieb wurde aber immer schwieriger und unrentabler, Claus Zerkowitz musste bald oft den Bademeister ersetzen und an Kasse und Buffet mithelfen. Schließlich konnte die Familie das Bad nicht mehr halten und übergibt es nach langen Verhandlungen 1961 an die Stadt Graz.

1999 ist Frau Anny Zerkowitz im Alter von 94 Jahren verstorben. 2007 unterschrieben 5000 Bürger für den Erhalt des Bades, ein Jahr später konnte die Initiative das 80-Jahr-Jubiläum mit einer Ausstellung "Bad der Erinnerung" in den Räumen im Obergeschoß des Eingangsbaues feiern, der zum "Grätzltreff" geworden war. Vorträge, u.a. von Karel Kubinzky, Herbert Lipsky u.a., führten in die Vergangenheit des beliebten Schwimmbads.

Nach mehreren Umbauten und Sanierungen sind heute nur noch wenige Spuren der ursprünglichen Gestaltung erkennbar. Ein drastischer Eingriff war der Bau der Eingangskiste, der .... Eine kleine halbovale Nische, die für einen Trinkbrunnen im Bereich der Liegewiese vorgesehen war, ein Stück der roten "Reling" und die Duschanlagen sind letzte Zeugnisse der Anfangszeit. Aus der Kickwiese in der Grube ist ein Beach-Volley-Platz geworden.

Quellen: 1) Claudia Zerkowitz-Beiser, Meine jüdische Familie. Ihr Leben in Graz und ihre Auslöschung. Clio, Graz 2021

2) Universalmuseum Joanneum

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Einzelnachweise

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